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Mother!
2017
Genres Drama | Horror | Mystery
Regie Darren Aronofsky
Cast Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Michelle Pfeiffer, Ed Harris
Inhalt Eine junge Frau lebt mit ihrem Partner, einem deutlich älteren Dichter, in einem Haus. Eines Tages kommt ein mysteriöser Gast zu Besuch, wenig später auch dessen Frau. Beide benehmen sich höchst rücksichts- und anstandslos, doch der Dichter scheint ihnen alle Fehltritte sofort nachzusehen. Erst als der Gast und seine Frau ein kostbares Kunstwerk in seinem Atelier zerstören, scheint eine Grenze überschritten...
 USA
 121 min.
Hafen-Bewertung für diesen Film:
basierend auf 2 Stimme(n)
  • 2 Bewertung(en) - 4 im Durchschnitt
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4 / 5
Deine Wertung:

#1
Ich setze meinem Review dieses Films direkt mal eine kräftige Spoilerwarnung voran; wie schon viele andere Rezensent:innen im Internet schrieben, ist es eigentlich gar nicht möglich, "Mother!" zu diskutieren, ohne den 'Schlüssel' zur Interpretation des Films anzusprechen...

Ich hatte nicht ganz so großes Interesse an diesem Aronofsky-Film (obwohl ich die Handschrift des Regisseurs bei "The Fountain" und "Black Swan" durchaus schätzte), denn ich hatte gehört, dass wir hier im Bereich Psychohorror unterwegs sind, und an diesem Genre habe ich zunehmend wenig Interesse. 
In Ermangelung einer besseren Idee setzte ich mich trotzdem gemütlich neben @kevers, als dieser heute Abend "Mother!" anwarf; las mir allerdings direkt zu Beginn die spoilerreiche Zusammenfassung auf Wikipedia durch, um zu wissen, was mich erwartet.

Dadurch entstand ein faszinierender Effekt: Während mein Mitgucker noch damit zu tun hatte, die bizarre Handlung zu decodieren, wusste ich bereits, dass wir mittendrin sind in einer Allegorie auf den Umgang der Menschheit mit Mutter Erde, inklusive jeder Menge biblischem Überbau. Das rang mir als erzählerische Herangehensweise durchaus großen Respekt ab...und ich fand den Film, zumindest in der ersten Hälfte, clever und faszinierend anzusehen. Da ich bereits wusste, warum die Rolle von Jennifer Lawrence die ganze Zeit so passiv bleibt -- sie ist die Verkörperung der Natur, einer friedlichen und grundgütigen Entität -- konnte ich die bedachte Performance umso mehr anerkennen.

Doch dann kam leider das letzte Drittel. Wie schon im berüchtigten Aronofsky-Drama "Requiem for a Dream" schafft es der Regisseur hier nicht, uns als Publikum ein gewisses Weiterdenken zuzutrauen. Stattdessen hält er es für nötig, die Misshandlung der Umwelt durch die Menschheit bildlich auf die Spitze zu treiben -- bis hin zu einer zwar nur wenige Sekunden andauernden, aber wirklich horrend schrecklichen Darstellung misogyner Gewalt -- einer der schlimmsten, die ich je in einem Film sah. 

Und genau das ist der Punkt, an dem ich die Buhrufe einer angeblichen "Nabelschau Aronofskys" und all die andere scharfe Kritik an diesem Machwerk zu verstehen beginne. In Interviews betonte der Regisseur, dass er die Gewalt für nötig hielt, um sein Argument konsequent zu Ende zu bringen. Für mich ganz persönlich bedeutet künstlerische Konsequenz aber auch, in einer nach wie vor im Frauenhass versunkenen Welt nicht noch zusätzlich furchtbarste Abbildungen davon zu erschaffen und somit die Traumatisierung eines weiblichen Publikums in Kauf zu nehmen, nur um sich selbst als eitler Grenzgänger zu profilieren. 

Ich weiß natürlich, dass man auch einen ganz anderen Blickwinkel auf Kunst als Spiegel der Wirklichkeit einnehmen kann -- und es beruhigte mich tatsächlich etwas, als ich nach dem Film positive Eindrücke verschiedener weiblicher Rezensentinnen las, die der brachialen Gewalt eine für sie sinnvolle Botschaft entnehmen konnten.

Aber für diesen Reviewer hier führt das Finale des Films leider trotzdem zu einem großen Abzug, und ich lande nur noch bei Wertung 3 von 5 von 5 Sternen. Der Film hätte, gerade auch mit seiner heftigen Kritik an Grundprämissen des Christentums und organisierter Religion im Allgemeinen, ein Meisterwerk für mich sein können; doch der "edgy" Regisseur ist leider völlig falsch abgebogen.
Dieser Beitrag gefällt:    kevers, strubadur
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