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Berlin
Deutschland
Einwohnerzahl
4.473.101
Wichtige Gewässer Flüsse Spree & Havel (& Dahme), Wannsee & Müggelsee
Nahverkehrsmittel Bus | Straßenbahn | U-Bahn | S-Bahn | Fähre/Schiff | Kommerzielle Taxiservices
Sehenswürdigkeiten  Brandenburger Tor
 "Waschmaschine" (Bundeskanzleramt)
 Filmpark Babelsberg unweit der Stadtgrenze
 Kabarettlegenden wie die Bar Jeder Vernunft
 Botanische Gärten insbes. die Glashäuser dort
 Schloss Charlottenburg & der zugehörige Garten
 2 große Zoos inkl. Aquarium
 East Side Gallery
 Jüdisches Museum
 jährliche Feste wie Fest des Lichts & Karneval der Kulturen
Besonderheiten Auf der Museumsinsel gibt es tolle Museen wie z.B. das Islamische mit dem Ischtartor, und das Neue mit der Nofretete; und angrenzend gibt es die Liebknechtbrücke in Erinnerung an 2 sehr bekannte KommunistInnen, die in der Nähe der Insel in 1919 ermordet wurden.
 52.5° N / 13.4° O
 Europa
Hafen-Bewertung für diese Stadt:
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#1
Die deutsche Hauptstadt, in der ich nun schon etwas über 2 Jahrzehnte lebe, ist bei weitem die größte Stadt im Land, und auch mit die wildeste & chaotischste. Das liegt einerseits an der wilden Historie - Vorzeigestadt* der Preußen, Ort wilder (Macht-)Kämpfe in der Zeit zwischen den Weltkriegen, weitflächig zerstört gegen Ende WW II - und andererseits an der langen Isolation innerhalb Ostdeutschland, bei gleichzeitigem (preiswerten!) Magnetismus auf Leute von außerhalb, insbes. vielen KünstlerInnen, inkl. Philosophie-Begeisterte/Film-Fans/RhetorikerInnen - & zuletzt deren gräßlichere Untermenge, PolitikerInnen.

Das Negative (oder wie man es eben sieht) zuerst: Weil TouristInnen & AutofahrerInnen die Stadt besonders gerne frequentieren, und außerdem jede 10. Wohnung mindestens 1 Mitbewohner des Genus Canis hat, ist die Stadt immer schnell recht dreckig, wie es sich für eine echte Großstadt gehört; die Berliner Luft wird immer reiner, hält aber mit der in anderen Städten Deutschlands nicht so recht mit, und wird daher zu überschwänglich gelobt m.E.. Es sammeln sich in der Stadt viele Menschen aus aller Welt, insbes. aus der Türkei und arabischen Ländern, und auch viele junge Menschen; Letzteres zum Teil wg. der regen neuen Gründerphase internationaler Startups, die es inzwischen in Berlin gibt. (Der gesamte letzte Satz ist aber eher die umwässerte Positivum-Insel hier im Negativen... Zwinker)

In der Nähe der eigenen Wohnung im Zentrum gibt es immer eine größere Baustelle, wirklich immer. Mal ein ganzes Schulgelände platt machend, mal mehrere Straßen blockierend, mal seit Jahren vergessen (scheinbar), mal das Brandenburger Tor über 1 Jahr lang verhüllend. Und in einer Hausbauphase dort dann immer die riesigen blauen oder rosaroten Wasserabpumprohre hoch in der Luft, die sich irgendwohin weg schlängeln.

Allerdings liegt m.E. Berlin auf ca. der gleichen grünen Stufe wie München was Parkanlagen angeht. Wg. der viergeteilten Phase nach dem WW II hatte Berlin auch mindestens 1 Flughafen zuviel, und dieser wurde dann im 21. Jahrhundert geschlossen und damit de facto zu einem riesigen frei(gestaltbar)en Grasgelände mit einigen sehr breiten/langen Skating-/Radel-Bahnen. (Und ich wohne nur 30 Min. zu Fuß davon entfernt!)

Weil Berliner auch Großmäuler sind, auch die Zugezogenen nach 1-2 Jahrzehnten (Peinlich), wäre fast im meist flachen Berlin ein 1km-hoher Berg angelegt worden auf letzterem Grasgelände. Dann lebte ich nachmittags immer in dessen Schatten! Juchu Kritisch

Ansonsten ist das Profil am Horizont (s. ganz oben) eher flach; es gibt ein paar Auswüchse (der Springer-Verlag musste unbedingt mal groß) wie z.B. den Potsdamer Platz, was aber einfach auch am Genehmigungschaos kurz nach der Wende liegt, und dass der Platz mitten in der Todeszone um die Mauer stand, und daher recht leer, also "baubereit", war damals in den frühen 90ern.

Wenn man schon ein Leben als ewiger Single darbt, gefällt einem dann an der bärigen Stadt doch...
  1. dass man kulturell nie zu kurz kommt (z.B. alle wichtigen Performance-Leute kommen irgendwann mal vorbei, oder ziehen sogar hierhin um)
  2. dass es tolle gastronomische Angebote gibt (ich stelle optimistisch fest, man könnte jeden Abend im Jahr in einem anderen Laden aus Essen gehen), v.a. liebe ich die Café-Kultur!
  3. dass man echt kein Auto braucht in Berlin, zumindest als Single oder Arbeitspendler; am liebsten fahr ich oben vorne im Doppeldecker-Bus (im Westen) oder in einer Trambahn (im Osten)
  4. der kühle aber nicht zu kalte Herbst (s. z.B. Hauptbild, oben)
  5. dass man an vielen Stellen erinnert wird daran, dass die Deutschen gefälligst irgendwelche Großmachtträume lassen sollten - Mahnmale, Skulpturen (wie die der zugreisenden WW-II-Kinder vorm Friedrichstr.-Bahnhof), "Stolpersteine" en masse
  6. Heimat von großen Zeichnern wie Heinrich Zille (R.I.P.) und Flix & Seyfried (hurra, die leben noch!)
  7. die große Auswahl an Architektonischem, von jedem Jahrzehnt namhafte Beispiele bis zur Hoch-Zeit der Preußen zurück
  8. dass es noch eine echte Kino-Kultur gibt mit riesiger Auswahl an Stätten und 2-3 Programmkino-Ketten; auch gibt es im Zentrum mehrere teils sehr gut bestückte Video-Leih-Läden, so dass man als verwöhnter Berliner kaum verstehen kann, was alle immer wollen mit Lobhudeleien aufs doch recht dünn besaitete Streaming da JWD im WWW...
Abschließend noch eine kleine Galerie von Bildern, die ich im letzten Jahr schoss, einige der obigen Punkte beleuchtend...

(Touristisches/Aussichten)
               

(Cafés/Gastronomie)
               

(Bewegend-Kulturelles)
       

P.S.: Eines der Café-Bilder ist ein "fast-food joint", der sich so gibt als sei er ein Café! Trotz Und das letzte Bild dort zeigt ein deutsch-arabisches Fusion-Brunch-Item! Gebannt

P.P.S. (late edit): Ich hatte die Wertung vergessen!! Perfekt ist mein Wohnort nicht, aber doch der der bisher - seit ich vom Elternhaus weg bin - am längsten "gehalten" hat bei meinem nomadischen Hirn... Also Wertung 4 von 5...

(* weswegen es im Zentrum so viele breite Straßen & v.a. breite Gehwege gibt, ideal u.a. für Cafés Snob  /
das Eingangsfoto ganz oben ist BTW wieder von Goodfreephotos.com)
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#2
Toller Beitrag, Kubo, und danke für's Einstellen! Froh Interessant, Deine Gefühle und Gedanken zu diesem Moloch Hauptstadtschatz zu lesen Awkward!

Ich hab' das Gefühl, dass Berlin schon ziemlich doll polarisiert, zumindest erlebe ich in meinem Umfeld eigentlich fast immer totale Begeisterung oder heftige Ablehnung...und nur selten was dazwischen (gibt's aber natürlich auch).

Mein persönliches Pendel schwingt leider, leider eher zur negativen Seite. Ich kann mit dem punkigen Chic, dem allgemeinen Schmodder und dem Trend-Hinterher-Gehechel gerade der jungen Leut' dort nicht so viel abgewinnen. 

Was nicht heißen soll, dass ich über die Jahre -- vor allem in den zwei Monaten, die ich als Jungspund mal dort für ein Praktikum verbrachte -- nicht auch gute Seiten am Berliner Leben entdeckt hätte. Man fühlt sich nie kritisch beäugt, egal was man anhat, kann jede Gaumenlust dieser Welt im Nu befriedigen, und das Tempelhofer Feld finde ich auch eine großartige Sache.

Um also nicht völlig die Spaßbremse zu sein, gebe ich mal höfliche Wertung 3 von 5... Awkward!
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#3
(Sei ruhig (die Bremse), @JP! Wie du schon sagtest, in/über Berlin darf man alles! Und ja, es ist definitiv eine Regenbogenstadt - ich fühle mich als Sonderling, erstmal schon nur in puncto Aussehen/Tragetasche/Sprache, der ich bin, grunds. nie wohler als wenn unterwegs auf einem Berliner Trottoir! Königlich In allen anderen Städten wird mehr gegafft bzw. der Mund verzogen o.ä. - außer evtl. NYC! Afro)
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#4
Najut, Keule! Scherz
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#5
Oh super, ich hab nur drauf gewartet, dass jemand Berlin einstellt, damit ich auch meinen Senf dazugeben kann! Scherz 

Ich habe aus persönlichen Gründen auch immer eher ein negatives Verhältnis zu Berlin gehabt, was sich in letzter Zeit allerdings zum Besseren verschoben hat, unter anderem, weil ich durch Freund:innen die positiven Seiten Berlins kennengelernt habe. Viele meiner Pro/Contras zur Hauptstadt wurden schon genannt, aber hier nochmal meine persönliche Liste:

Pro:

+ Die vielen guten Essensmöglichkeiten - man kann wirklich ALLES bekommen! Schön essen gehen, leckerer und schneller Imbiss/Döner, schöne Cafés ... das mag ich schon sehr und ich schrecke auch vor Hipstrigkeit nicht zurück, wenns denn nicht zu prätentiös ist
+ Das Tempelhofer Feld ist auf jeden Fall ein Highlight
+ Die vielen Parks/Grünflächen und die Badeseen
+ Ich mag, dass die Kieze so unterschiedlich sind
+ Breite Gehwege!
+ Dieses Kulturkaufhaus in der Friedrichstraße
+ Die vielen Flohmärkte, vor allem der am Boxhagener Platz
+ Gutes Angebot bei Ebay-Kleinanzeigen
+ Man findet glaube ich auch echt gutes Zeug einfach so auf der Straße
+ Die vielen Kinos schätze ich auch sehr, genauso wie im Sommer das Freiluftkino-Angebot

Contra
- Wedding
- Sehr dreckig
- Nachts schlecht beleuchtet
- Meistens wenn ich da bin ist es grau und kalt, Winter ist so oder so eine Deprizeit aber wow in Berlin ist es wirklich ganz besonders furchtbar
- Fahrradfahren in Berlin find ich ziemlich unangenehm und gefährlich. Gibt zwar viele Fahrradwege, aber ich hab den Eindruck der Autoverkehr ist irgendwie krasser
- Berlin Mitte find ich echt ganz schön hässlich, vor allem diese Häuserschluchten in der Gegend um den Potsdamer Platz. Den KuDamm find ich auch furchtbar, genau wie die Gegend Unter den Linden/Friedrichstraße/Brandenburger Tor, auch wenn das natürlich das touristisch-historische Epizentrum ist, kommt mir das alles irgendwie kalt und kulissenhaft vor. Ich mag die Ecken an Berlin, wo echtes Leben stattfindet, auf jeden Fall lieber.
- Beim Gedanken daran, nach Berlin zu ziehen (was eventuell mal passieren wird, mal sehen), schreckt mich die Wohnungssuche wirklich sehr ab
- Beim Gedanken daran, in Berlin zu wohnen, schreckt mich der Gedanke, mein Fahrrad nicht auf der Straße stehen lassen zu können, sehr ab. In Würzburg kann ich es sogar unangeschlossen rumstehen lassen (mach ich inzwischen nicht mehr, weil ich ein neues hab und es nicht riskieren will, aber bei meinem alten hab ich das oft so gemacht)
- Witzig dass ihr alle sagt, ihr fühlt euch frei, in Berlin rumzulaufen wie ihr wollt - mir geht das eher umgekehrt, dass ich mich in Berlin oft wie eine Spießerin fühle. :D Aber das Gefühl wird auch weniger mit zunehmendem Alter. Senior


So und ein Punkt den ich in Berlin oft unangenehm finde, aber als neutral bewerten würde: Man kriegt schon so einen Eindruck vom Querschnitt der Gesellschaft, viele Schattenseiten sind da sehr sichtbar, z.B. Drogensucht, Obdachlosigkeit, Sexarbeit und Zuhälterei (gegen freiwillige Sexarbeit hab ich nix einzuwenden, aber das ist glaube ich echt die Ausnahme, und solche die aus ökonomischen Zwängen und Mangel an Alternativen passiert zähle ich auf jeden Fall nicht dazu). Also grad wenn man aus dem Schnulzenland zu Besuch kommt, ist das manchmal ein ganz schöner Schock.

Ich geb mal eine Wertung 3 von 5 , aber vor ein paar Jahren hätte ich ohne mit der Wimper zu zucken 1 Punkt gegeben, insofern ist das schon eine Verbesserung und ich würde nicht ausschließen, dass sich diese Gefühle weiter nach oben hin verbessern!
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#6
Hab jetzt länger überlegt ob ich was antworten soll, will aber nicht als der große Berlin-Verteidiger wahrgenommen werden - so dolle ein Fan bin ich auch nicht.

Also nur langkurz (= kubolingische Variante von "kurz" Ach!) zu deinen letzten 2 Minuspunkten und der Obdachlosigkeit:
  • Das mit dem Fahrrad ist evtl. bezirksweise so. Fahrräder stehlen ist sicherlich in Berlin üblicher als anderswo in Deutschland - das liegt evtl. auch daran, dass Deutschland im Osten an deutlich ärmere Länder angrenzt, und Leute die von dort kommen oft in Berlin aufprallen (suche gerade das richtige dt. Wort für "land up" - mir fiel nichts Besseres ein... Awkward!). ABER: In Kreuzberg 61 wo ich wohne ist das momentan eher kein großes Problem; ich bin im Apt.-Block umgeben von Leuten die radeln, und ein wesentlicher Teil davon parkt das Fahrrad draußen vorm Hauseingang (seitdem dort so Ankettbögen von der Stadt hingebaut wurden vor kurzem!). Allerdings, sollte ich mir mal eins aneignen - momentan benutze ich noch eher einen dieser app-steuerbaren Leihfahrraddienste - würde ich auch versuchen einen dauerhaften abgedeckten Stellplatz dafür zu finden, zur Not auch dafür bezahlen.
  • Ich zieh mich zu so 80% spießerisch an, und das (be)merkt keiner auf der Straße. Kann natürlich auch an meinem Alter liegen? ("Sieh mal, da läuft wieder dieser skurrile Alte..." Senior) Nee, also in dem von mir wahrgenommenen Berlin wird weniger gegafft, ich steh dazu. Angenehm!
  • Dass Obdachlosigkeit hier offener vorkommt bzw. gezeigt wird, finde ich persönlich Ok. Deutsche leben m.E. in einer Traumwelt des relativen Luxus, insbes. anderen Ländern der Welt ggü. - da muss man gar nicht weit auf Suche gehen - und ich finde es Ok wenn Leute, denen es nicht so gut geht, und die aus der gigantischen 9m-überm-Boden-schwebenden Geldmachfabrik, in der wir alle ab Ende der Bildungsphase mitmachen müssen, heraus gefallen sind. Berlin ist eben im Ansatz eine Weltstadt - und m.E. die dt. Zukunft, wenn die ökonomische & v.a. europäische Welt sich nicht langsam insgesamt anfängt, vernünftiger zu benehmen.
Betteln ist übrigens noch ein anderes Thema; BettlerInnen in Berlin sind leider öfter mal kriminell organisiert. Oft leider auch (EU-)AusländerInnen, die sich dazu "anstellen" lassen, um auch mal das reiche Deutschland erleben zu können.

Berlin ist ein tapsender Bär, und dem nähert man sich lieber in Trippelschritten. Zwinker

P.S.: Für die positiven Meldungen bedankt sich übrigens der kl. innere Berliner! Er hebt eine jrün-leuchtende Berliner Weiße auf euch, ey...
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