17.07.2026, 02:00
(Zuletzt bearbeitet: 19.07.2026, 18:28 von Kubrickian.)
Vorweg: Ich bin ein Fan griechischer Mythologie und zwar seit meinem Teenage... Ich bin also mal wieder kaum in der Lage den Film alleinstehend zu beurteilen. 

Grundsätzlich handeln alle Homerschen Texte von gewissen Benimmregeln in altgriechischer Gesellschaft, also sind sie auch ein wenig Anleitungen für zivilisiertes oder zumindest ehrenhaftes Verhalten. Ein bekanntes ethisches Thema dieses "sequel" zur Troja-Story (die ja durch div. Filme auch recht bekannt ist, u.a. durch Petersens Film mit Mam'sell Kruger als Helena) ist z.B. die Loyalitat der Eheleute zueinander, wenn auch nicht immer Ehebett-Treue... Aber Nolan konzentriert sich interessanterweise auf ein anderes Gesetz: Die Huldigung Zeus Xenios, eine Zusatzfunktion des Göttervaters als Gott der Gastfreundschaft.
Das fängt damit an dass Nolans Abschluss des trojanischen Krieges, das riesige hölzerne Pferd, dass sie scheinbar auf dem Strand stehen lassen, hier ein wertvolles Kunstwerk zu sein scheint, mit glattem schön-gemasertem Holz und in einer ungewöhnlichen aufbäumenden Pose. Es soll das wertvolle Gastgeschenk der Griechen darstellen, das natürlich niemals ein korruptes Inneres haben dürfte, das dem 'Gastgeber' sogar Schaden zufügt.
Dieser Bruch mit dem von Zeus Xenios vertretenem Gesetz ist aber Odysseus' Lösung den endlosen Krieg gegen eine Stadt, die vom Design her sich nicht einnehmen lässt, zu beenden. Er insbesonders sowie fast alle Griechen werden daher auf dem Weg nach Hause bestraft mit schlimmem Wetter, und vielen zusätzlichen Abenteuern; in Odysseus' Fall folgt bekanntlich eine lange Irrfahrt, die viele seiner Seemannskumpel nicht überleben.
Das wird einigermaßen klar "messaged" durch Nolans alptraumhafte Vision, inkl. dem Urteil am Ende, dass die Menschen sich durchs ständige Ignorieren des Zeus'schen Gesetzes in eine epochale Phase der Barbarei hinein bewegen. (Irgendwelche Parallelen zu unseren 2020er Jahren?!
)
Einiges Andere fand ich dann aber doch pompös um nicht zu sagen selbstverliebt - man merkt dass die Blankoschecks die Universal dem Starregisseur scheinbar anbieten, als Dank dass er zu ihnen wechselte, diesem Herrn hier die Freiheit geben, sich mal nicht so sehr um die Publikumsliebe zu kümmern; die YT-Reviewerin Randolph nennt es "art more than entertainment"!
Letztendlich war das Militante prävalent, wenn auch nicht gerade nachahmenswert dargestellt; Odysseus' Schläue, die ihn letztendlich zurück zu Ithaka führt, ist kaum Thema.
Visuell wird vieles Innovative gezeigt - beim Zyklopen z.B. soll v.a. Animatronik eingesetzt worden sein, bei der großen Fraßszene im Hause Zirze "kein" CGI! Farbgebung wurde reduziert auf wenige Hauptfarben, die einsamen Visten kommen immer wieder vor (wie Nolan die Unterwelt darstellt ist sehr eigen!)! Das und die vereinfachte "mittelalterliche" Musik beeindruckte!
Einigermaßen versteckt finde ich ist dieser Film auch ansatzweise ein Männertest, ähnlich anderen solchen Kunstwerken wie z.B. der 70er-Bestseller Der dressierte Mann! Männer und ihre rücksichtslose Rohheit - Beispiel Menelaos, und die angedeutete sichtbare Strafe, die er seiner einst hübschen Frau, Helena, perfekt gecastet via Hollywood-Schönheit Nyong'o
, "schenkte" wohl nach ihrer Rückkehr - werden ziemlich wahrhaftig gezeigt; alle Frauenrollen sind dagegen eher vernünftig oder "badass" defensiv, oft mit zarter Weisheit/Stärke. (Zendayas Athene hab ich z.B. nicht wieder erkannt - so lieb und verständnisvoll ist hier die Göttin militärischer Taktik, die i.d.R. immer irgendein Rüstungsteil dabei hat, aber nicht hier!)
Männer, wahret also eurer Urteile zu diesem Werk, und was es über eure patriarchalen Impulse preisgibt! Z.B. dieser anti-woke Zorn online über die nicht unwichtige Rolle von Trans-Mann Page ist sowas von daneben - er war perfekt gecastet als Sinon, ein weiteres Opfer von Odysseus' grausamen "endgame" vor den Toren von Troja...
Lustig fand ich auch wie Nolan das Ende vom Film "dreht", und damit die Zuschauerschaft an der Nase herum führt, als man meint, der rückgekehrte Anti-Held wird doch sicherlich nicht überleben. (Kein Spoiler: Homer belohnte ihn ja schon vor Jahrtausenden auch entsprechend.)
Ich seh mir den Film evtl. nochmal in der 70mm-Fassung an - in Berlin läuft er wahrhaftig in 4 Versionen in Kinos! - aber vergebe erstmal im Sinne eines "honourable failures":
P.S.: Von den technischen Gegebenheiten und tollen "visuals" des Films ist dieser auch eine Hommage an Kubricks Oeuvre, finde ich! Und SchauspielerInnen können Nolans menschlichen, wenn auch manchmal körperlich anstrengenden, Umgang mit ihnen nicht genug loben, in YT-Interviews z.B.. Er ist m.E. das, was man in Comics einen "storyteller" nennt, also im Filmkontext einer der Regie führt, stark involviert mit der Kameraführung, aber auch viel zum Drehbuch beiträgt...


Grundsätzlich handeln alle Homerschen Texte von gewissen Benimmregeln in altgriechischer Gesellschaft, also sind sie auch ein wenig Anleitungen für zivilisiertes oder zumindest ehrenhaftes Verhalten. Ein bekanntes ethisches Thema dieses "sequel" zur Troja-Story (die ja durch div. Filme auch recht bekannt ist, u.a. durch Petersens Film mit Mam'sell Kruger als Helena) ist z.B. die Loyalitat der Eheleute zueinander, wenn auch nicht immer Ehebett-Treue... Aber Nolan konzentriert sich interessanterweise auf ein anderes Gesetz: Die Huldigung Zeus Xenios, eine Zusatzfunktion des Göttervaters als Gott der Gastfreundschaft.
Das fängt damit an dass Nolans Abschluss des trojanischen Krieges, das riesige hölzerne Pferd, dass sie scheinbar auf dem Strand stehen lassen, hier ein wertvolles Kunstwerk zu sein scheint, mit glattem schön-gemasertem Holz und in einer ungewöhnlichen aufbäumenden Pose. Es soll das wertvolle Gastgeschenk der Griechen darstellen, das natürlich niemals ein korruptes Inneres haben dürfte, das dem 'Gastgeber' sogar Schaden zufügt.
Dieser Bruch mit dem von Zeus Xenios vertretenem Gesetz ist aber Odysseus' Lösung den endlosen Krieg gegen eine Stadt, die vom Design her sich nicht einnehmen lässt, zu beenden. Er insbesonders sowie fast alle Griechen werden daher auf dem Weg nach Hause bestraft mit schlimmem Wetter, und vielen zusätzlichen Abenteuern; in Odysseus' Fall folgt bekanntlich eine lange Irrfahrt, die viele seiner Seemannskumpel nicht überleben.
Das wird einigermaßen klar "messaged" durch Nolans alptraumhafte Vision, inkl. dem Urteil am Ende, dass die Menschen sich durchs ständige Ignorieren des Zeus'schen Gesetzes in eine epochale Phase der Barbarei hinein bewegen. (Irgendwelche Parallelen zu unseren 2020er Jahren?!
)Einiges Andere fand ich dann aber doch pompös um nicht zu sagen selbstverliebt - man merkt dass die Blankoschecks die Universal dem Starregisseur scheinbar anbieten, als Dank dass er zu ihnen wechselte, diesem Herrn hier die Freiheit geben, sich mal nicht so sehr um die Publikumsliebe zu kümmern; die YT-Reviewerin Randolph nennt es "art more than entertainment"!

Letztendlich war das Militante prävalent, wenn auch nicht gerade nachahmenswert dargestellt; Odysseus' Schläue, die ihn letztendlich zurück zu Ithaka führt, ist kaum Thema.
Visuell wird vieles Innovative gezeigt - beim Zyklopen z.B. soll v.a. Animatronik eingesetzt worden sein, bei der großen Fraßszene im Hause Zirze "kein" CGI! Farbgebung wurde reduziert auf wenige Hauptfarben, die einsamen Visten kommen immer wieder vor (wie Nolan die Unterwelt darstellt ist sehr eigen!)! Das und die vereinfachte "mittelalterliche" Musik beeindruckte!
Einigermaßen versteckt finde ich ist dieser Film auch ansatzweise ein Männertest, ähnlich anderen solchen Kunstwerken wie z.B. der 70er-Bestseller Der dressierte Mann! Männer und ihre rücksichtslose Rohheit - Beispiel Menelaos, und die angedeutete sichtbare Strafe, die er seiner einst hübschen Frau, Helena, perfekt gecastet via Hollywood-Schönheit Nyong'o
, "schenkte" wohl nach ihrer Rückkehr - werden ziemlich wahrhaftig gezeigt; alle Frauenrollen sind dagegen eher vernünftig oder "badass" defensiv, oft mit zarter Weisheit/Stärke. (Zendayas Athene hab ich z.B. nicht wieder erkannt - so lieb und verständnisvoll ist hier die Göttin militärischer Taktik, die i.d.R. immer irgendein Rüstungsteil dabei hat, aber nicht hier!)Männer, wahret also eurer Urteile zu diesem Werk, und was es über eure patriarchalen Impulse preisgibt! Z.B. dieser anti-woke Zorn online über die nicht unwichtige Rolle von Trans-Mann Page ist sowas von daneben - er war perfekt gecastet als Sinon, ein weiteres Opfer von Odysseus' grausamen "endgame" vor den Toren von Troja...
Lustig fand ich auch wie Nolan das Ende vom Film "dreht", und damit die Zuschauerschaft an der Nase herum führt, als man meint, der rückgekehrte Anti-Held wird doch sicherlich nicht überleben. (Kein Spoiler: Homer belohnte ihn ja schon vor Jahrtausenden auch entsprechend.)
Ich seh mir den Film evtl. nochmal in der 70mm-Fassung an - in Berlin läuft er wahrhaftig in 4 Versionen in Kinos! - aber vergebe erstmal im Sinne eines "honourable failures":

P.S.: Von den technischen Gegebenheiten und tollen "visuals" des Films ist dieser auch eine Hommage an Kubricks Oeuvre, finde ich! Und SchauspielerInnen können Nolans menschlichen, wenn auch manchmal körperlich anstrengenden, Umgang mit ihnen nicht genug loben, in YT-Interviews z.B.. Er ist m.E. das, was man in Comics einen "storyteller" nennt, also im Filmkontext einer der Regie führt, stark involviert mit der Kameraführung, aber auch viel zum Drehbuch beiträgt...
Dieser Beitrag gefällt: • JP

